Man setzt sich immer Ziele im Leben

17. September 2020 News Reiseberichte & Leserbriefe Bereich West Sonstige Gelegenheiten Berichte

Leserbrief zur Spende über 5.400,00 € für die „Aktion Sorgenkinder in Bundeswehrfamilien des BwSW“

Man setzt sich immer Ziele im Leben, so auch ich.

Nachdem ich schon viele Ultra- und Ultratrail-Läufen (Anm. der Bereichsgeschäftsführung West: ein Traillauf wird abseits der Straße durchgeführt. Meistens in Wäldern, Parks, Schotterstraßen oder sogar über die Alpen. Als Ultralauf werden Läufe bezeichnet, die länger als ein Marathonlauf mit 42,195 km sind) mit Distanzen bis zu 110 Kilometer gelaufen war, wuchs in mir der Wunsch, auch einmal 100 Meilen am Stück, also Non-Stop, zu laufen. Die Entscheidung, bei welcher Veranstaltung ich das Wagnis eingehen wollte, viel zunächst auf den Berliner Mauerweglauf. Die Besonderheit des Berliner Mauerweglaufs liegt darin, dass die Streckenführung entlang der ehemaligen Mauer verläuft und jedes Jahr an ein Maueropfer erinnert.

So weit, so gut. 2017 fragte mich dann ein guter Freund, Thomas Wimmer, ob meine Frau und ich nicht Lust hätten, als Mitglieder seiner Begleit-Crew, ihn auf einem Ultralauf über 230 Kilometer (Non-Stop) zu begleiten. TorTour de Ruhr hieß die Veranstaltung, ein reiner Einladungslauf (man muss sich bewerben und wird eingeladen) und die Streckenführung ging entlang der Ruhr. Von der Quelle in Winterberg im tiefsten Sauerland bis zur Ruhrmündung in den Rhein in Duisburg am Rheinorange. Das Starterfeld ist nicht groß und aufgrund der Streckenlänge durften die Läufer nur mit Begleitung, also einer eigenen Crew, starten. Wir sagten zu und so begleiteten wir Thomas 2018 bei seinem Lauf, den er auch erfolgreich finishte. Neben der vollen Distanz von 230 Kilometern entlang der Ruhr, gibt es bei der TorTour de Ruhr auch die Möglichkeit den Ruhr-Hundred über 100 Meilen und den Bambini-Lauf über 100 Kilometer zu laufen. Da ich aus dem Siegerland komme, ist der logistische Aufwand an einer Veranstaltung an der Ruhr teilzunehmen, deutlich geringer als nach Berlin zu fahren. Somit bewarb ich mich für einen Startplatz bei dem Ruhr-Hundred Wettbewerb. Nach der Zusage vom Veranstalter und dem Erhalt meines Startplatzes wurde mir erstmal so richtig bewusst, wie verrückt man sein muss, 100 Meilen am Stück laufen zu wollen.

Ich kam dann schnell auf den Gedanken, mit diesem verrückten Vorhaben etwas Gutes zu tun. Ein Spendenlauf? Aber wie und für wen? Das Bundeswehr- Sozialwerk und ganz speziell die „Aktion Sorgenkinder in Bundeswehrfamilien des BwSW“ war letztendlich meine Wahl. Und wie? Ich überlegte mir, dass mich meine Kameradinnen und Kameraden an meinem Standort in Erndtebrück nicht nur während meines ersten 100-Meilen-Laufes mit Spenden begleiten könnten, sondern schon in der Vorbereitungszeit. Im Mai 2019 habe ich dann die Möglichkeit angeboten, mich pro gelaufenen Trainings- und Wettkampfkilometer mit wahlweise einem Viertel, einem halben oder einem ganzen Cent zu unterstützen. Es fanden sich 130 Kameradinnen und Kameraden in der Hachenberg- Kaserne und das sogar teilweise mit bis zu fünf Cent pro Kilometer. So fing mein Training an und jeden Monat gab es für meine Unterstützerinnen und Unterstützer eine Zusammenfassung meiner gelaufenen Kilometer und immer wieder Infos zu meinem bevorstehenden Lauf.

Mit ansteigenden Infektionszahlen durch das Corona-Virus und dem daraus resultierenden Lockdown wurde letztendlich auch die TorTour de Ruhr abgesagt. Für mich als Läufer war es nur eine Verschiebung und somit ein Jahr längere Vorfreude auf meinen ersten 100-Meilen-Lauf, aber es stellte sich mir die Frage: „Wie gehe ich mit der Spendenaktion um?“ Nach einigen Gesprächen, auch mit dem Bundeswehr-Sozialwerk, stand für mich fest, ich beende meine Spendenaktion wie geplant. Statt 100 Meilen lief ich, zusammen mit meiner Crew, am eigentlichen Wettkampftag nur ein gemütliches Ründchen und addierte die letzten gelaufenen Kilometer. Innerhalb meines Vorbereitungsjahres lief ich in der Summe 3.510 Kilometer. Das ergab, aufgrund der zugesagten Unterstützung pro Kilometer, eine gesamte Spendensumme von 5.400,00 €. Ich war überrascht, hoch erfreut, gerührt und geschüttelt. Auch die Freude auf Seiten des Bundeswehr-Sozialwerks war groß aufgrund der hohen Spendensumme. Da haben meine Kameradinnen und Kameraden mit mir zusammen etwas Tolles erreicht und ich bin sehr stolz darauf. Übergeben durfte ich die Spende in Duisburg am Rheinorange. Das war mein persönlicher Wunsch, weil am Rheinorange mein Ziel gewesen wäre und 2021 sein wird, von meinem ersten 100-Meilen-Lauf.

Carsten Hermann
Stabsfeldwebel